Am 6. Februar 2020, einen Tag nach der Wahl, reiste Christian Lindner nach Thüringen, um Thomas Kemmerich zum Rücktritt zu bewegen, was er auch an die Fortführung seines eigenen Amtes als Parteivorsitzender knüpfte. Daraufhin kündigte Thomas Kemmerich am selben Tag auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt an. [99] Die FDP-Fraktion kündigte an, einen Antrag zur Auflösung des Parlaments nach Artikel 50 der Landesverfassung zu unterstützen. Sollte dieser Antrag scheitern, kündigte Kemmerich eine Vertrauensabstimmung nach Artikel 74 der Thüringer Landesverfassung an, die den Weg für Neuwahlen freigemacht hätte. [101] Das Ergebnis sah zwei mögliche Mehrheitsregierungen ohne AfD vor: eine Links-CDU-Koalition (möglicherweise auch SPD und/oder Grüne) oder eine Koalition von Links-SPD und Grün-FDP. Erstere wären ideologisch schwerfällig, hätten aber eine stabile Mehrheit, während letztere nur auf lokaler Ebene versucht worden sei und nur eine knappe Mehrheit von zwei Sitzen halten würde. Beide galten aufgrund ideologischer Differenzen und Zusagen von CDU und FDP, nicht mit der Linken zusammenzuarbeiten, als undurchführbar. Ministerpräsident Ramelow lud CDU-Chef Mohring in der Woche vom 4. November zu formellen Sondierungsgesprächen ein, zog die Einladung aber am 9. November zurück und behauptete, Mohring habe durch die öffentliche Anzeige von Textnachrichten zwischen ihnen gegen diskretionäre Verhältnisse verstoßen.

Zugleich bekräftigte CDU-Landeschef Raymond Walk die Ablehnung einer Partnerschaft mit der Linken durch seine Partei. [8] Ein am 5. November veröffentlichter offener Brief, der von 17 CDU-Landtagsabgeordneten unterzeichnet wurde, sorgte für Kontroversen. In dem Schreiben wurde die CDU aufgefordert, Gespräche mit «allen demokratisch gewählten Parteien» im Landtag zu führen, bevor sie Koalitionspartnerschaften ausschließt, und wurde von Mitgliedern der landesnahe CDU und anderer Parteien kritisiert, die dies als verschleierten Aufruf zur Zusammenarbeit mit der AfD interpretierten. Anfang der Woche hatte auch der stellvertretende Landesparteichef Michael Heym öffentlich vorgeschlagen, die Möglichkeit einer CDU-AfD-FDP-Koalition auszuloten. Vier Wochen lang bestand die Thüringer Landesregierung nur noch aus dem Ministerpräsidenten. Am 8. Februar 2020 trat Kemmerich zurück und diente kommissarisch, bis Bodo Ramelow am 4. März 2020 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Nach Kemmerichs Wahl wurden keine Mitglieder in den Bundesrat berufen, und er selbst beschloss auch, Thüringen dort nicht zu vertreten.

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Am 6. Februar 2020, einen Tag nach der Wahl, reiste Christian Lindner nach Thüringen, um Thomas Kemmerich zum Rücktritt zu bewegen, was er auch an die Fortführung seines eigenen Amtes als Parteivorsitzender knüpfte. Daraufhin kündigte Thomas Kemmerich am selben Tag auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt an. Die FDP-Fraktion...